Was ist eine gute Übersetzung? oder: Geht das auch mit dem Computer?

„Beim Übersetzen muss man bis ans Unübersetzliche herangehen; alsdann wird man aber erst die fremde Nation und die fremde Sprache gewahr.”
(Johann Wolfgang von Goethe, Maximen und Reflexionen, 1826)

Bei Übersetzungen geht es nicht nur um das reine wortwörtliche Übertragen eines Textes in eine andere Sprache. Es war schon immer wichtig auch den kulturellen Hintergrund des jeweiligen Zielpublikums zu berücksichtigen. Dem Anspruch beidem gerecht zu werden ist dabei das größte Problem und ein Balanceakt. Oft hört man nun in letzter Zeit: „Kann man das nicht maschinell  übersetzen?!?“ Die Antwort dazu ist klar „Nein!“.

Um dieses „Nein“ jedoch nicht unbegründet im Raum stehen zu lassen, lassen Sie uns verdeutlichen warum. Geben Sie doch einfach mal in Google Translate oder einer ähnlichen Anwendung den Satz „Das Haus ist weiß.“ ein. Hierfür werden Sie noch überzeugende Ergebnisse bekommen.

Werden die Sätze komplexer, sowohl in Syntax als auch in der Wortwahl, dann stößt die wörtliche Übersetzung, und damit auch die maschinelle Übersetzung, an ihre Grenzen. Nehmen wir doch  einfach einen Ausschnitt aus Shakespeares Romeo und Julia:

„Two households, both alike in dignity,
In fair Verona, where lay our scene,
From ancient grudge break to new mutiny,
Where civil  blood makes civil hands unclean.“

Wenn Sie dieses Zitat in den „Übersetzer“ eingeben, sind Sie dann mit den Ergebnissen zufrieden?

Die wohl kongeniale Übersetzung von A.W.v. Schlegel lautet übrigens:

„Zwei Häuser waren – gleich an Würdigkeit –
Hier in Verona, wo die Handlung steckt,
Durch alten Groll zu neuem Kampf  bereit,
Wo Bürgerblut die Bürgerhand befleckt.“

Diese Beispiele zeigen, dass Übersetzen kein reines Handwerk ist, sondern auch kreative Tätigkeit – und das nicht nur bei literarischen Übersetzungen. Auch bei Fachübersetzungen kommt dies zum Tragen. Versuchen Sie es doch einfach mal mit Teilen Ihrer Betriebsanleitung, Verträgen, Briefen oder anderen Texten mit komplexen Zusammenhängen. Sie werden schnell feststellen, wie begrenzt die maschinelle Übersetzung wirklich ist.

Übersetzer werden immer wieder aufs Neue mit dem Problem der Balance zwischen wortwörtlicher und freier, kulturell angepasster Übersetzung konfrontiert. Jeder Text ist anders und auch der letztendliche Adressat der Übersetzung unterscheidet sich von Projekt zu Projekt, ebenso auch die Wünsche des Auftraggebers und die einzuhaltenden zeitlichen Vorgaben. Eine maschinelle Übersetzung mag schnell gehen und günstig sein, aber im Hinblick auf alle anderen Faktoren, kann diese keine Unterscheidungen treffen.

Ein Übersetzer wird immer alle Punkte gegegeneinander abwägen und nach bestem Wissen und Gewissen (übrigens auch abhängig von Ihrem Input und Ihren Wünschen) übersetzen.

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